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Wachstum in der Wüste

Gemeinsam mit den Bewässerungsexperten des Unternehmens Netafim, Magal/Israel, organisierte die Junge DLG Anfang Februar eine Exkursion nach Israel. Neben einer Werksbesichtigung von Netafim, dem Weltmarktführer für Tropfbewässerung, umfasste das Programm Milchvieh-, Ackerbau- und Sonderkulturbetriebe.  Abgerundet wurde die Reise mit einer Stadtführung in Jerusalem und einem kurzen Zwischenstopp am Toten Meer.

Facettenreiche Praxis

Tel Aviv, der Ankunftsort der Reise, ist eine junge, moderne Großstadt mit einer großen digitalen Startup-Szene, wohingegen das 60 Kilometer entfernte Jerusalem von religiöser und kultureller Tradition geprägt ist. Tief beeindruckt zeigte sich die Junge DLG von der landwirtschaftlichen Vielfalt, die Israel auf einer relativ kleinen Fläche, etwa jener des Bundeslandes Hessen entsprechend, vereint. „Israel habe ich als eines der facettenreichsten Länder kennengelernt“, so Dominik Selhorst, Mitglied des Arbeitskreises der Jungen DLG.

Am zweiten Tag ging es zur Kama-Farm, einem Milchviehbetrieb in Avigdor, südöstlich von Tel Aviv. Deren 250 Kühe, mit einer durchschnittlichen Milchleistung von circa 11.000 Kilogramm, werden durch eine genossenschaftlich organisierte Futterproduktion versorgt. Der Betrieb hat nur vier Hektar eigenes Land. Das restliche benötigte Futter wird gemeinschaftlich durch einen Kibbuz organisiert und zugekauft. Neben der Familie unterstützen zwei weitere externe Arbeitskräfte bei den anfallenden Arbeiten.
 
Versorgung gesichert: Für die 250 Milchkühe der Kama-Farm wird ein Großteil des Futters über einen Kibbuz beschafft.  

Danach ging es nach Hatzerim zu Netafim. Das Unternehmen entwickelte 1965 das System der Tropfbewässerung, um den knappen Ressourcen an Wasser in Israel entgegenzuwirken. Das Thema Bewässerung war einer der Schwerpunkte der Fachexkursion.

Im Anschluss wurde eine Farm in Urim besichtigt. Im Winter produziert der Betrieb für den europäischen Markt Kartoffeln und Zwiebeln. Während des Sommers ist es zu warm, somit erfolgt dann der Anbau anderer Kulturen.

Landwirtschaft unter Extrembedingungen

Am folgenden Tag besichtigte die Junge DLG vormittags das Ecological Greenhouse im Kibbuz Ein-Shemer. Das Ecological Greenhouse ist ein innovatives Bildungszentrum für Schüler und Schülerinnen aus der näheren Umgebung. Es ist ein Ort für soziale Begegnungen und Verbindungen, der zwei grundlegende Elemente kombiniert: Umwelt- und Sozialökologie.  Anschließend erreichte die Exkursion das Kibbuz Magal. Dort empfing Dubi Raz, Corporate Agronomy Director, Netafim, die Gruppe. Diese besichtigte im späteren Verlauf des Tages eine Zitrusplantage.  Der Tag endete im Weingut Sea Horse Winery mit einer Weinprobe.

Am vorletzten Tag der Exkursion ging es in die Wüste südlich des Toten Meers, nahe der Grenze zu Jordanien. Landwirtschaftliche Produkte wie Datteln, Paprika und Tomaten werden dort mit minimalem Wasserangebot erzeugt. In den Gewächshäusern in der Arava Region wachsen auf dem beregneten Wüstenboden hunderte Hektar mit Paprika, Tomaten, Fenchel, Koriander, Aloe Vera sowie weiteren Produkten. Unter Extrembedingungen werden diese relativ intensiven Kulturen angebaut und belegen die Innovationskraft der israelischen Landwirtschaft.

Landwirtschaftliche Beratung ist gratis

Das salzhaltige Wasser für die Kulturen stammt aus einer unterirdischen Quelle. Der mittlere regionale Jahresniederschlag liegt bei überschaubaren 30 - 50 mm, sodass die Beregnung der Früchte die zentrale unternehmerische Aufgabe der Landwirte ist. Dafür wird auf die salzigen Grundwasserreserven zurückgegriffen und Wasser aus mehr als 800m Tiefe gepumpt. Mit einer Tageswassermenge von 900 Liter Wasser pro Baum werden so 250 kg Datteln pro Baum und Jahr produziert. Die israelische Dattel ist überdurchschnittlich groß und weist eine besondere Süße auf. Abnehmer der Datteln sind häufig Israels Anrainerstaaten.

Landwirtschaftliche Beratung wird in Israel kostenlos bereitgestellt. „Ich finde das sehr beeindruckend“, so Exkursionsteilnehmer Florian Hollmann, "weil eine solche Forschung samt Beratung erst einmal sehr teuer ist und möglicherweise nicht immer direkt als ein Return vom Invest zurückkommt."  Dennoch ist es laut Hollmann sicherlich die Grundlage dafür, dass die Farmer in Israel in der Lage sind, „an so extremen Standorten wie der Wüste erfolgreich zu produzieren“.

Nach Hollmanns Ansicht „können wir viel davon auf unsere landwirtschaftliche Beratungs- und Forschungssituation in Deutschland übertragen“. Über Jahre hinweg sei es für Landwirte selbstverständlich, dass staatliche Institutionen Forschung betreiben und das gewonnene Wissen frei zugänglich machen.

Auf dem Rückweg nach Jerusalem hat die Gruppe am Toten Meer Halt gemacht. Dessen Salzgehalt von mehr als 30 Prozent war ein besonderes Erlebnis. Am letzten Tag wurde Jerusalem besichtigt. Thomas König führte die Gruppe durch die Stadt. Er lebte selbst mehrere Jahre in Israel. Als Entwicklungszusammenarbeit-Scout (EZ-Scout) ist König im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH an das Fachzentrum (FZ) Landwirtschaft der DLG entsandt. Begleitet wurde die Gruppe ebenso von Dr. Klaus Erdle, Bereichsleiter Pflanzenbau im FZ Landwirtschaft der DLG und David Traub, Mitarbeiter von Netafim.

Die Exkursion war in jeglicher Hinsicht ein großartiges Erlebnis. Die spannenden Eindrücke und Erfahrungen in Israel werden dem Arbeitskreis noch lange in Erinnerung bleiben.